Freunde herausfordern, ohne Druck zu machen
Wettstreit unter Freunden kann Spaß machen oder zermürben. Was die Motivationsforschung über Sieger, Verlierer und Teams sagt und wie es freundlich bleibt.

Einige der schönsten Momente beim Spielen kommen von Freunden: die Nachricht „Schlag das mal“, der Familienstreit ums Brettspiel, die Kollegin, die drei Sterne auf einem Level geholt hat, an dem du noch hängst. Einige der schlimmsten auch. Wettstreit mit Menschen, die wir kennen, wiegt schwerer als mit Fremden, weil er berührt, wie wir uns selbst sehen und wie wir glauben, dass sie uns sehen. Die gute Nachricht: Die Forschung hat Jahrzehnte damit verbracht herauszufinden, was Wettbewerb, der Menschen beflügelt, von dem unterscheidet, der sie zermürbt, und das meiste davon lässt sich direkt darauf übertragen, wie man einen Freund herausfordert.
1954 schlug der Psychologe Leon Festinger vor, dass Menschen einen Antrieb haben, ihre eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, und dass sie das, wenn es keinen objektiven Maßstab gibt, im Vergleich mit anderen tun. Entscheidend sei, so sein Argument, dass wir uns am liebsten mit Menschen vergleichen, deren Fähigkeiten nah an unseren liegen. Eine Schachanfängerin lernt wenig daraus, gegen einen Großmeister zu verlieren, und viel daraus, gegen eine Freundin aus demselben Verein zu verlieren.
Deshalb ist das Ergebnis eines Freundes zugleich motivierender und aufgeladener als eine weltweite Bestenliste. Es ist ein Vergleich, der dir wirklich etwas bedeutet, mit jemandem, dessen Meinung dir etwas bedeutet. Die gute Seite sind Energie und etwas Gemeinsames zum Reden. Die schlechte Seite ist, dass wiederholtes Verlieren gegen jemanden, der einem nahesteht, auf eine Weise wehtun kann, wie es Verlieren gegen Fremde nicht tut. Die breitere Beweislage zu Ranglisten betrachten wir in Motivieren Bestenlisten oder entmutigen sie?
Quellen1Festinger, L. (1954). A theory of social comparison processes. Human Relations, 7(2), 117–140.
Jeder Wettbewerb bringt Verlierer hervor, also ist die praktischste Frage, was mit ihnen geschieht. Maarten Vansteenkiste und Edward Deci veranstalteten einen Rätselwettbewerb und maßen danach die intrinsische Motivation. Sieger waren intrinsisch motivierter als Verlierer, was nicht überrascht. Interessant war, was den Verlierern half.
Verlierer, denen ein klarer Maßstab gegeben und gesagt wurde, dass sie ihn erreicht hatten, also positive Rückmeldung zu ihrer eigenen Leistung, waren intrinsisch motivierter als Verlierer, die einfach verloren. Verlierer, die stattdessen eine Belohnung dafür bekamen, denselben Maßstab zu erreichen, zeigten weniger intrinsische Motivation als die mit Rückmeldung, gemessen daran, was sie in ihrer freien Zeit taten, obwohl sie ähnlich viel Freude angaben. Information über Kompetenz half; ein Trostpreis half weniger.
Für eine freundschaftliche Herausforderung ist die Lehre einfach. Sorg dafür, dass, wer Zweiter wird, trotzdem etwas Gutes über die eigene Leistung erfährt: Das Feld ist gelöst, die eigene Bestleistung übertroffen, ein Weg gefunden, den du übersehen hast.
Quellen2Vansteenkiste, M., & Deci, E. L. (2003). Competitively contingent rewards and intrinsic motivation: Can losers remain motivated? Motivation and Emotion, 27(4), 273–299.
John Tauer und Judith Harackiewicz verglichen reinen Wettbewerb, reine Kooperation und eine Mischung aus beidem in einer Reihe von Studien rund ums Basketball-Werfen. Wettbewerb und Kooperation allein schnitten bei Freude und Leistung etwa gleich ab. Die Kombination, mit einem Partner gegen ein anderes Paar, brachte durchweg die höchste intrinsische Motivation und in zwei von drei Studien die beste Leistung.
Studien zu Spielen zeigen in dieselbe Richtung. Wei Peng und Gary Hsieh fanden, dass Spielende in einem bewegungsgesteuerten Spiel mehr Einsatz zeigten, wenn sie auf ein kooperatives Ziel hinarbeiteten als auf ein kompetitives. Benedikt Morschheuser, Juho Hamari und Alexander Maedche führten ein Feldexperiment in einer gamifizierten Crowdsourcing-App durch und fanden, dass Team-gegen-Team-Wettbewerb mehr Freude und Beteiligung brachte als individueller Wettbewerb oder reine Kooperation. Auch eine Metaanalyse zu Gamification im Unterricht fand, dass Wettbewerb in Verbindung mit Zusammenarbeit besonders gut wirkte.
Quellen3Tauer, J. M., & Harackiewicz, J. M. (2004). The effects of cooperation and competition on intrinsic motivation and performance. Journal of Personality and Social Psychology, 86(6), 849–861.4Peng, W., & Hsieh, G. (2012). The influence of competition, cooperation, and player relationship in a motor performance centered computer game. Computers in Human Behavior, 28(6), 2100–2106.5Morschheuser, B., Hamari, J., & Maedche, A. (2019). Cooperation or competition – When do people contribute more? A field experiment on gamification of crowdsourcing. International Journal of Human-Computer Studies, 127, 7–24.6Sailer, M., & Homner, L. (2020). The gamification of learning: A meta-analysis. Educational Psychology Review, 32(1), 77–112.
Auch die Persönlichkeit spielt eine Rolle. Hayeon Song und Kollegen fanden, dass Wettbewerb in einem Bewegungsspiel Freude und Motivation bei Menschen steigerte, die von Natur aus kompetitiv waren, und bei denen, die es nicht waren, den gegenteiligen Effekt hatte. Eine Herausforderung, die einen Freund begeistert, kann sich für eine andere wie eine Prüfung anfühlen.
Daran lohnt es sich zu denken, bevor du jemanden herausforderst, der nie viel Interesse an Punktzahlen gezeigt hat. Biete es locker an, und mach es leicht, abzulehnen oder ganz ohne Vergleich zu spielen.
Wettbewerbslust ist auch nicht in jeder Lage gleich. Jemand, der im Sport verbissen kämpft, will am Ende des Tages vielleicht nur ein ruhiges Rätsel, und jemand, der sich nie mit Fremden misst, liebt es vielleicht, die eigene Schwester zu schlagen. Fragen ist besser als raten.
Quellen7Song, H., Kim, J., Tenzek, K. E., & Lee, K. M. (2013). The effects of competition and competitiveness upon intrinsic motivation in exergames. Computers in Human Behavior, 29(4), 1702–1708.
Festingers Theorie hat eine unbequeme Folge für Familien und gemischte Gruppen: Vergleich motiviert am meisten zwischen Menschen mit ähnlichem Können und am wenigsten, wenn der Abstand groß ist. Ein Elternteil, das bei einem Puzzlespiel immer gewinnt, gibt einem Kind keinen hilfreichen Vergleich; ebenso wenig ein Kind, das jedes Level auswendig kennt, einer Großmutter.
Spiele und Familien haben über die Jahre viele Antworten gefunden, und die meisten erhalten den Wettbewerb, während sie den Abstand verkleinern. Vorgaben wie beim Golf-Handicap oder ein Vorsprung sind eine. Gegen das eigene letzte Ergebnis anzutreten statt gegeneinander, eine andere. Ein frisches Rätsel zu wählen, das keiner von beiden kennt, etwa ein neues Tagesbrett, setzt die Erfahrung auf null. Und vom Wettbewerb auf ein gemeinsames Ziel umzuschalten, ihr zwei gegen das Zuglimit, macht aus dem stärkeren Spieler einen Helfer statt eines Gegners.
Die Forschung zu Verlierern gilt hier besonders. Wenn jemand immer wieder Zweiter wird, sorg dafür, dass er immer wieder etwas Wahres und Konkretes darüber hört, was er gut gemacht hat. Das ist der Unterschied zwischen einer Rivalität, auf die man sich freut, und einer, zu der man still nicht mehr erscheint. Was die Forschung fand, als Familien zusammen spielten, steht in wie Spiele Menschen verbunden haben.
Quellen1Festinger, L. (1954). A theory of social comparison processes. Human Relations, 7(2), 117–140.2Vansteenkiste, M., & Deci, E. L. (2003). Competitively contingent rewards and intrinsic motivation: Can losers remain motivated? Motivation and Emotion, 27(4), 273–299.
Wir haben das Teilen in OutBrick mit diesen Ergebnissen im Kopf gestaltet. Es gibt keine Uhr, also geht es bei einer Herausforderung ums Denken, nicht um Reflexe. Das Tagesbrett gibt allen jeden Tag dasselbe Spielfeld, und ein geteiltes Ergebnis zeigt deine Sterne ohne deine Züge, also bekommt dein Freund ein Ziel und darf trotzdem selbst lösen. Warum dieses Format funktioniert, erklären wir in warum ein Tagesrätsel zum gemeinsamen Ritual wird. Ihr könnt auch zusammen an einem Bildschirm ein Feld im Browser spielen und euch abwechseln. Die Hinweise zu Version 4.2 unter Neuigkeiten beschreiben, wie Herausforderungs-Links von Freunden direkt auf dem richtigen Bildschirm in der App landen.
- Wählt ein Rätsel, bei dem ihr beide eine faire Chance habt, etwa dasselbe Tagesbrett.
- Teil ein Ergebnis, keine Lösung, damit die andere Person noch den Spaß am Lösen hat.
- Feiere den zweiten Platz mit etwas Konkretem: einer persönlichen Bestleistung, einem cleveren Weg.
- Probiert Teamspiel: ihr zwei gegen die Zugvorgabe oder gegen ein anderes Paar.
- Halt es optional. Eine ignorierte Herausforderung sollte nichts kosten, auch kein Wohlwollen.
Quellen2Vansteenkiste, M., & Deci, E. L. (2003). Competitively contingent rewards and intrinsic motivation: Can losers remain motivated? Motivation and Emotion, 27(4), 273–299.3Tauer, J. M., & Harackiewicz, J. M. (2004). The effects of cooperation and competition on intrinsic motivation and performance. Journal of Personality and Social Psychology, 86(6), 849–861.
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Häufige Fragen
Ein paar nützliche Antworten
Ist Wettbewerb gut für die Motivation?
Das hängt davon ab, wer gewinnt und wer spielt. Sieger bleiben meist motiviert, Verlierer bleiben motiviert, wenn sie trotzdem ehrliche positive Rückmeldung zu ihrer Leistung bekommen, und kompetitive Menschen genießen Wettbewerb mehr als andere.
Ist Kooperation oder Wettbewerb in Spielen besser?
Studien finden oft, dass eine Mischung am besten wirkt. Sich zu einem Team gegen ein anderes Team zusammenzutun, hat wiederholt mehr Freude gebracht als reiner Wettbewerb oder reine Kooperation.
Wie fordert man einen Freund heraus, ohne Stress zu machen?
Wähl ein Rätsel, bei dem ihr beide eine faire Chance habt, teil ein Ergebnis statt der Lösung, lobe, was beim Zweitplatzierten gut lief, und mach es leicht abzulehnen. Ein Tagesrätsel, das alle am selben Tag spielen, eignet sich gut.
Warum fühlt sich Verlieren gegen einen Freund schlimmer an als gegen einen Fremden?
Die Theorie des sozialen Vergleichs legt nahe, dass wir uns vor allem an Menschen messen, die uns ähnlich sind, deshalb wirkt das Ergebnis eines Freundes relevanter. Außerdem geht es um jemanden, dessen Meinung uns wichtig ist.
APA 7
Literatur
Die Quellen sind in ihrer Originalsprache angegeben. Wo eine Quelle die eigene Geschichte eines Studios oder ein Pressebericht ist und keine Studie, steht das im Artikel direkt neben der Aussage.
- Vansteenkiste, M., & Deci, E. L. (2003). Competitively contingent rewards and intrinsic motivation: Can losers remain motivated? Motivation and Emotion, 27(4), 273–299. doi.org/10.1023/a:1026259005264 (öffnet in einem neuen Tab)
- Tauer, J. M., & Harackiewicz, J. M. (2004). The effects of cooperation and competition on intrinsic motivation and performance. Journal of Personality and Social Psychology, 86(6), 849–861. doi.org/10.1037/0022-3514.86.6.849 (öffnet in einem neuen Tab)
- Peng, W., & Hsieh, G. (2012). The influence of competition, cooperation, and player relationship in a motor performance centered computer game. Computers in Human Behavior, 28(6), 2100–2106. doi.org/10.1016/j.chb.2012.06.014 (öffnet in einem neuen Tab)
- Morschheuser, B., Hamari, J., & Maedche, A. (2019). Cooperation or competition – When do people contribute more? A field experiment on gamification of crowdsourcing. International Journal of Human-Computer Studies, 127, 7–24. doi.org/10.1016/j.ijhcs.2018.10.001 (öffnet in einem neuen Tab)
- Sailer, M., & Homner, L. (2020). The gamification of learning: A meta-analysis. Educational Psychology Review, 32(1), 77–112. doi.org/10.1007/s10648-019-09498-w (öffnet in einem neuen Tab)
- Song, H., Kim, J., Tenzek, K. E., & Lee, K. M. (2013). The effects of competition and competitiveness upon intrinsic motivation in exergames. Computers in Human Behavior, 29(4), 1702–1708. doi.org/10.1016/j.chb.2013.01.042 (öffnet in einem neuen Tab)



