Zum Inhalt springen
Spielerisch lernen

Mit den Enkeln spielen: warum es sich lohnt

Gemeinsames Spielen nützt nachweislich beiden Generationen, wenn das Spiel gut gewählt ist. Was die Studien zeigen und wie es gelingt.

  • 5 Min. Lesezeit
  • Veröffentlicht am
Poppy und Flurry links und rechts von einem Handy, das den Abschnitt Celebration Square auf der Karte der OutBrick-Reise zeigt, daneben schweben gelbe, lila und grüne Steine
Illustration aus dem Journal

Großeltern hören oft, die Spiele ihrer Enkel seien eine Mauer zwischen ihnen: laut, schnell, unverständlich und besser in Ruhe zu lassen. Die Forschung zum gemeinsamen Spielen legt das Gegenteil nahe. Wenn das Spiel gut gewählt ist, gehört gemeinsames Spielen zu den einfacheren Wegen, wie zwei Generationen Zeit auf Augenhöhe verbringen können, und das Kind ist dabei genauso oft Lehrer wie Schüler. Hier steht, was die Studien gefunden haben, was typischerweise schiefgeht und wie ihr Spiele auswählt und spielt, die über sechzig Jahre Abstand hinweg funktionieren.

Was die Forschung findet

De la Hera und Kollegen werteten systematisch empirische Studien zu generationenübergreifenden digitalen Spielen aus, insgesamt sechzehn, mit älteren Spielern zwischen 55 und 81 und jüngeren zwischen 4 und 22 Jahren. Der Nutzen, den sie fanden, ließ sich in vier Gruppen einteilen: stärkere familiäre Bindungen, Lernen in beide Richtungen, ein besseres Verständnis der anderen Generation und weniger soziale Ängste. Eine frühere Übersicht von Costa und Veloso über 36 Arbeiten aus den Jahren 2006 bis 2014 kam zu ähnlichen Schlüssen und formulierte Gestaltungsempfehlungen für Spiele, die Generationen zusammenbringen sollen.

Eine der besser kontrollierten Studien stammt aus Singapur. Chua und Kollegen bildeten Paare aus jungen Menschen und älteren Erwachsenen, die sich zwei Monate lang regelmäßig trafen; manche spielten zusammen Videospiele, andere machten andere Aktivitäten. Die Paare, die spielten, berichteten von einer stärkeren Verbesserung ihrer Haltung gegenüber der anderen Generation und von weniger Unbehagen im Umgang miteinander. Die Stichproben in diesem Feld sind klein und die meisten Studien kurz, deshalb sollte man die Größe des Effekts nicht überbewerten. Die Richtung ist aber einheitlich.

Quellen1De la Hera, T., Loos, E., Simons, M., & Blom, J. (2017). Benefits and factors influencing the design of intergenerational digital games: A systematic literature review. Societies, 7(3), 18.2Costa, L., & Veloso, A. (2016). Being (grand) players: Review of digital games and their potential to enhance intergenerational interactions. Journal of Intergenerational Relationships, 14(1), 43–59.3Chua, P.-H., Jung, Y., Lwin, M. O., & Theng, Y.-L. (2013). Let’s play together: Effects of video-game play on intergenerational perceptions among youth and elderly participants. Computers in Human Behavior, 29(6), 2303–2311.

Warum gemeinsames Spielen funktioniert

Osmanovic und Pecchioni interviewten ältere Erwachsene und die jüngeren Verwandten, mit denen sie spielten. Beide Seiten sagten, die Spiele seien eine Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen und in Verbindung zu bleiben, und beide beschrieben die positiven Gefühle beim Spielen selbst. Für viele ältere Spieler ging es weniger um das Spiel als um die Gesellschaft. Voida und Greenberg beobachteten Familien und Gruppen beim gemeinsamen Spielen an der Konsole und beschrieben Spiele als Treffpunkt, an dem Menschen sehr unterschiedlichen Alters und Könnens verschiedene Rollen einnehmen konnten: Spieler, Trainer, Zuschauer, Kommentator.

Diese Flexibilität der Rollen ist wichtig. Siyahhan, Barab und Downton untersuchten Eltern und Kinder, die gemeinsam ein Online-Abenteuerspiel spielten, und stellten fest, dass das gemeinsame Spielen von Paar zu Paar sehr unterschiedlich aussah: Manche Eltern führten, manche folgten, manche arbeiteten Seite an Seite, und über all diese Stile hinweg hatte es positive Ergebnisse. Es gibt nicht die eine richtige Art, zusammen zu spielen. Es gibt nur die Suche nach einer Art, die zu euch beiden passt.

Das Lernen in diesen Studien läuft außerdem in beide Richtungen, was De la Hera und Kollegen als einen der wichtigsten Vorteile hervorheben. Kinder bringen die Steuerung, die Abkürzungen und die Gepflogenheiten des Spiels bei. Großeltern bringen oft Geduld mit, ein Gespür für Strategie und die Gewohnheit, einen Zug zu Ende zu denken, bevor sie ihn machen. In einem Puzzle sind das genau die Eigenschaften, die gewinnen, und das gleicht den Wettstreit still und leise aus. Viele Großeltern merken, dass ein gemeinsames Spiel ihnen Gesprächsstoff mit einem Enkelkind gibt, das Fragen sonst mit einzelnen Wörtern beantwortet.

Quellen4Osmanovic, S., & Pecchioni, L. (2016). Beyond entertainment: Motivations and outcomes of video game playing by older adults and their younger family members. Games and Culture, 11(1–2), 130–149.5Voida, A., & Greenberg, S. (2009). Wii all play: The console game as a computational meeting place. In Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems (pp. 1559–1568). ACM.6Siyahhan, S., Barab, S. A., & Downton, M. P. (2010). Using activity theory to understand intergenerational play: The case of Family Quest. International Journal of Computer-Supported Collaborative Learning, 5(4), 415–432.1De la Hera, T., Loos, E., Simons, M., & Blom, J. (2017). Benefits and factors influencing the design of intergenerational digital games: A systematic literature review. Societies, 7(3), 18.

Was typischerweise schiefgeht

Bei der Hauptschwierigkeit sind sich die Übersichtsarbeiten einig: unterschiedliche Fähigkeiten. Kinder sind oft schneller und geübter mit Touchscreens und den Gepflogenheiten von Spielen; Großeltern haben vielleicht mehr Geduld und besseren strategischen Sinn, aber langsamere Reaktionen und andere Augen. Spiele, die Tempo belohnen, lassen den älteren Spieler dauerhaft zurückfallen, und das macht keinem von beiden Spaß. Spiele mit viel Text oder winzigen Bedienelementen schließen die Jüngsten und manchmal auch die Ältesten aus.

Die andere Schwierigkeit ist die Motivation. De la Hera und Kollegen merken an, dass die beiden Generationen oft Unterschiedliches von einem Spiel wollen, und die Spiele, die am besten funktionieren, bieten beiden etwas. Ein Kind liebt vielleicht Sammeln und Erkunden; Großeltern bevorzugen vielleicht ein klares Ziel und ein ruhiges Puzzle. Die besten gemeinsamen Spiele haben Platz für beides.

Quellen1De la Hera, T., Loos, E., Simons, M., & Blom, J. (2017). Benefits and factors influencing the design of intergenerational digital games: A systematic literature review. Societies, 7(3), 18.

So findet ihr ein Spiel, das euch beiden Spaß macht

Such nach Spielen, in denen ein Zug so lange dauern darf, wie er braucht. Ein Zuglimit ist in Ordnung, eine Uhr nicht. Such nach Spielen, bei denen ihr ein Gerät hin- und herreichen könnt, damit ihr nebeneinandersitzt, statt auf getrennten Bildschirmen zu spielen. Und such nach Spielen mit einem sanften Einstieg, damit der weniger erfahrene Spieler sich zurechtfinden kann, ohne sich zu blamieren. Unsere Checkliste zu Puzzlespielen für ältere Menschen geht genauer auf Lesbarkeit und Einstellungen ein.

Ein tägliches Puzzle ist ein gutes gemeinsames Ritual, besonders auf Distanz. OutBrick stellt auf seiner Website ein tägliches Feld bereit, das jeder im Browser spielen kann. So können Großeltern und Enkel dasselbe Feld versuchen und abends am Telefon vergleichen, wie es gelaufen ist. Im Spiel selbst hat jedes Feld ein Zuglimit, aber nie eine Uhr, die erste Zugrücknahme ist gratis, und die Symbole des Farbenblind-Modus sind standardmäßig an. Das hilft, wenn einer von euch manche Farben schwer auseinanderhalten kann.

Denk an die Umgebung genauso wie an das Spiel. Ein Tablet auf dem Tisch zwischen euch ist für ältere Augen leichter als ein Handy in der Hand eines Kindes, und das Abwechseln ergibt sich ganz natürlich. Prüf, ob der Text für die Großeltern groß genug und der Ton leise genug für ein Gespräch ist. Wenn einer von euch besondere Bedürfnisse hat, etwa beim Farbsehen, beim Hören oder wegen eines Zitterns, erspart euch ein paar Minuten in den Einstellungen später Frust. Unser Beitrag über Farbenblindheit in Spielen erklärt einen der häufigsten Fälle.

Gut zusammen spielen

Die Forschung legt nahe, dass der Wert des gemeinsamen Spielens mehr in der Beziehung drumherum liegt als im Spiel selbst. Ein paar Gewohnheiten helfen, egal ob ihr auf dem Sofa oder per Videoanruf spielt. Zur sozialen Seite von Spielen im Allgemeinen passt Animal Crossing und gemeinsame Zeit gut dazu.

  • Lass dir das Spiel vom Kind beibringen und sei ein williger Schüler. Kinder dürfen selten die Experten sein.
  • Wechselt euch an einem Gerät ab und besprecht jeden Zug, statt auf zwei Geräten um die Wette zu spielen.
  • Teilt, was euch auffällt: Strategien, Muster, eine gute Idee, die ihr vor drei Zügen hattet.
  • Haltet die Runden kurz und hört auf, wenn es schön ist, damit ihr euch aufs nächste Mal freut.
  • Vereinbart vor dem Start gemeinsam, wie lange ihr spielt, damit das Aufhören kein Kampf wird.

Quellen6Siyahhan, S., Barab, S. A., & Downton, M. P. (2010). Using activity theory to understand intergenerational play: The case of Family Quest. International Journal of Computer-Supported Collaborative Learning, 5(4), 415–432.4Osmanovic, S., & Pecchioni, L. (2016). Beyond entertainment: Motivations and outcomes of video game playing by older adults and their younger family members. Games and Culture, 11(1–2), 130–149.

Häufige Fragen

Ein paar nützliche Antworten

Tut es Großeltern gut, mit den Enkeln Videospiele zu spielen?

Studien zum generationenübergreifenden Spielen berichten von stärkeren familiären Bindungen, Lernen in beide Richtungen und positiveren Haltungen zwischen den Generationen. Die Studien sind meist klein und kurz, aber ihre Ergebnisse weisen in dieselbe Richtung.

Welche Spiele eignen sich am besten für Großeltern und Enkel?

Am besten funktionieren rundenbasierte Spiele ohne Uhr, mit einfacher Steuerung und sanftem Einstieg, weil sie Unterschiede in Tempo und Erfahrung ausgleichen. Spiele, bei denen ihr ein Gerät hin- und herreicht, fördern Gespräche und das Voneinanderlernen.

Wie können Großeltern mit Enkeln spielen, die weit weg wohnen?

Teilt ein tägliches Puzzle, das ihr beide spielt, und vergleicht die Ergebnisse, oder spielt zusammen per Videoanruf, wechselt euch ab und besprecht die Züge. Das tägliche Feld von OutBrick lässt sich in jedem Browser spielen.

APA 7

Literatur

Die Quellen sind in ihrer Originalsprache angegeben. Wo eine Quelle die eigene Geschichte eines Studios oder ein Pressebericht ist und keine Studie, steht das im Artikel direkt neben der Aussage.

  1. De la Hera, T., Loos, E., Simons, M., & Blom, J. (2017). Benefits and factors influencing the design of intergenerational digital games: A systematic literature review. Societies, 7(3), 18. doi.org/10.3390/soc7030018 (öffnet in einem neuen Tab)
  2. Costa, L., & Veloso, A. (2016). Being (grand) players: Review of digital games and their potential to enhance intergenerational interactions. Journal of Intergenerational Relationships, 14(1), 43–59. doi.org/10.1080/15350770.2016.1138273 (öffnet in einem neuen Tab)
  3. Chua, P.-H., Jung, Y., Lwin, M. O., & Theng, Y.-L. (2013). Let’s play together: Effects of video-game play on intergenerational perceptions among youth and elderly participants. Computers in Human Behavior, 29(6), 2303–2311. doi.org/10.1016/j.chb.2013.04.037 (öffnet in einem neuen Tab)
  4. Osmanovic, S., & Pecchioni, L. (2016). Beyond entertainment: Motivations and outcomes of video game playing by older adults and their younger family members. Games and Culture, 11(1–2), 130–149. doi.org/10.1177/1555412015602819 (öffnet in einem neuen Tab)
  5. Voida, A., & Greenberg, S. (2009). Wii all play: The console game as a computational meeting place. In Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems (pp. 1559–1568). ACM. doi.org/10.1145/1518701.1518940 (öffnet in einem neuen Tab)
  6. Siyahhan, S., Barab, S. A., & Downton, M. P. (2010). Using activity theory to understand intergenerational play: The case of Family Quest. International Journal of Computer-Supported Collaborative Learning, 5(4), 415–432. doi.org/10.1007/s11412-010-9097-1 (öffnet in einem neuen Tab)

Geschrieben von

OutBrick Editorial Desk

Die OutBrick-Redaktion macht aus Spielerforschung, Barrierefreiheit in der Praxis und Erfahrungen aus der Spieleentwicklung nützliche, gut lesbare Notizen.

Mehr von der Redaktion