Farbenblindheit in Spielen: wie häufig, was hilft
Etwa jeder zwölfte Mann europäischer Herkunft hat eine Rot-Grün-Schwäche. Was das beim Spielen bedeutet und welche Einstellungen und Designs helfen.

In jedem Raum mit fünfundzwanzig Männern europäischer Herkunft sehen wahrscheinlich zwei Rot und Grün anders als alle anderen. Die meisten Spiele werden trotzdem noch so gestaltet, als gäbe es sie nicht. Dieser Leitfaden erklärt, was eine Farbsehschwäche eigentlich ist, wie oft sie vorkommt, was sie für jemanden bedeutet, der gerade spielt, und was hilft: sowohl die Einstellungen, die du heute schon einschalten kannst, als auch die Designentscheidungen, die sie überflüssig machen.
Wenn Forschende eine Zahl brauchen, greifen die meisten zu Jennifer Birchs Übersichtsarbeit von 2012 über große Zufallserhebungen in der Bevölkerung. In europäisch-kaukasischen Bevölkerungen haben etwa 8 % der Männer und etwa 0,4 % der Frauen eine angeborene Rot-Grün-Schwäche. Bei Männern chinesischer und japanischer Herkunft ist der Anteil niedriger, zwischen 4 % und 6,5 %, und Birch merkt an, dass neuere Erhebungen auf einen steigenden Wert bei Männern afrikanischer Herkunft und in von Migranten besiedelten Regionen hindeuten. Die Unterschiede führt sie auf Gründereffekte und genetische Drift zurück, nicht auf natürliche Selektion.
Der Unterschied zwischen Männern und Frauen hat eine einfache Ursache. Wie Simunovic in seiner Übersichtsarbeit in Eye erklärt, werden die häufigen Formen rezessiv über das X-Chromosom vererbt: Ein Mann braucht eine betroffene Kopie, eine Frau zwei. Deshalb kann auch eine Mutter mit normalem Farbsehen die Schwäche an ihren Sohn weitergeben. Bei einem Spiel, das Millionen Menschen spielen, ergeben diese Prozentsätze eine sehr große Zahl von Spielerinnen und Spielern, die einer farbcodierten Oberfläche unter anderen Voraussetzungen begegnen.
Quellen1Birch, J. (2012). Worldwide prevalence of red-green color deficiency. Journal of the Optical Society of America A, 29(3), 313–320.2Simunovic, M. P. (2010). Colour vision deficiency. Eye, 24(5), 747–755.
Das verbreitete Bild von Farbenblindheit, eine Welt in Schwarz-Weiß, beschreibt eine sehr seltene Form. Die meisten Menschen mit Farbsehschwäche sind anomale Trichromaten: Sie haben alle drei Zapfentypen, aber einer reagiert anders, sodass manche Farben, die für andere klar verschieden sind, für sie gleich aussehen. Dichromaten, denen ein Zapfentyp fehlt, haben ein noch engeres Spektrum. Rot, Grün, Braun und Orange sind die klassischen Verwechslungen bei den häufigen Rot-Grün-Formen; eine Blau-Gelb-Schwäche gibt es auch, sie ist aber weit seltener.
Barry Coles lange Übersichtsarbeit über die praktischen Nachteile ist die nützlichste Beschreibung dessen, was das im Alltag bedeutet. Fast alle Menschen mit abweichendem Farbsehen, abgesehen von einigen leicht Betroffenen, berichten von Problemen mit Farbe im Alltag. Sie haben Schwierigkeiten, wenn Farbe als Code dient, sie können unzuverlässig sein, wenn ein Farbname zur Kennzeichnung benutzt wird, und sie sind bei der visuellen Suche langsamer und weniger erfolgreich, wenn Farbe das Ziel markiert. Lies diesen letzten Befund mit einem Spiel im Kopf: „Finde das rote Teil“ ist genau die Art Aufgabe, die viele Puzzles stellen.
Das erklärt auch, warum die Menschen um einen farbenblinden Spieler herum das Problem so oft unterschätzen. Flatla und Gutwin bauten Simulationen, die auf der individuell gemessenen Farbwahrnehmung jeder Person beruhten statt auf einem allgemeinen Modell, und ließen dann Paare aus Freunden oder Verwandten über Alltagsbilder sprechen, die durch diese Simulation zu sehen waren. Die personalisierten Versionen waren genauer als die Standardmodelle, und in den Gesprächen kamen Einzelheiten aus dem Erleben der Person zur Sprache, die ihr Gegenüber nie verstanden hatte.
Quellen2Simunovic, M. P. (2010). Colour vision deficiency. Eye, 24(5), 747–755.3Cole, B. L. (2004). The handicap of abnormal colour vision. Clinical and Experimental Optometry, 87(4–5), 258–275.4Flatla, D. R., & Gutwin, C. (2012). “So that’s what you see”: Building understanding with personalized simulations of colour vision deficiency. In Proceedings of the 14th International ACM SIGACCESS Conference on Computers and Accessibility (pp. 167–174). ACM.
Manche Muster tauchen immer wieder auf. Lebensbalken, die von Grün zu Rot wechseln. Teamfarben in Rot und Grün. Kartenmarkierungen, Seltenheitsstufen und Beute, die nur nach Farbton sortiert sind. Match- und Sortierpuzzles, deren Teile sich durch nichts als die Farbe unterscheiden. Und, weniger offensichtlich, Rückmeldungen für „richtig“ und „falsch“, die grün oder rot aufblinken, ohne dass ein Symbol, ein Ton oder eine Bewegung sie unterstützt.
Die Lösung, zu der die meisten Spiele greifen, ist ein Filter: ein Menü, das die ganze Palette für Protanopie, Deuteranopie oder Tritanopie verschiebt. Filter helfen manchen Spielern, aber sie haben Grenzen. Sie setzen voraus, dass alle mit derselben Bezeichnung gleich sehen, was Flatla und Gutwins Arbeit widerlegt, und sie können den Rest des Spiels seltsam aussehen lassen. Besser ist es, Farbe zu einem Signal unter mehreren zu machen, sodass kein Filter nötig ist. Warum das grundsätzlich richtig ist, haben wir in warum Farbe in einem Puzzle nie der einzige Hinweis sein sollte dargelegt; die Forschung zu Mustern zeigt, wie man es gut macht.
Quellen4Flatla, D. R., & Gutwin, C. (2012). “So that’s what you see”: Building understanding with personalized simulations of colour vision deficiency. In Proceedings of the 14th International ACM SIGACCESS Conference on Computers and Accessibility (pp. 167–174). ACM.
Geddes, Flatla, Tigwell und Peiris testeten Farbmuster, also Überlagerungen, die eine Farbe als Form oder Textur codieren, in einer Online-Studie mit Menschen mit Farbsehschwäche. Frühere Musterschemata hatten im Labor funktioniert, waren aber schwer zu lernen. Das Team verglich ein veröffentlichtes Schema mit zwei neuen Entwürfen in drei Aufgaben: eine Farbe auswählen, einem Farbverlauf folgen und sortieren. Kein einzelnes Muster gewann überall. Eines, das jede Farbe in ein einfaches Symbol verwandelte, half beim Auswählen und Sortieren, tat sich aber mit Verläufen schwer; ein gemischter Entwurf half bei jeder Aufgabe ein wenig.
Die Lehre für Puzzle-Designer ist klar: Wenn es darum geht, unterschiedliche Teile an unterschiedliche Orte zu sortieren, ist ein einfaches, einprägsames Symbol pro Farbe das richtige Werkzeug, und es sollte sich auf einen Blick erfassen lassen, statt entschlüsselt werden zu müssen. Diesen Weg sind wir bei OutBrick gegangen. Der Farbenblind-Modus ist standardmäßig an und prägt jedem Stein und dem Tor, zu dem er gehört, ein eigenes Symbol auf, sodass niemand um Hilfe bitten muss, um zwei Teile auseinanderzuhalten. Wo er an Grenzen stößt, wollen wir trotzdem wissen; auf der Seite zur Barrierefreiheit steht, wie du es uns sagen kannst.
Quellen5Geddes, C., Flatla, D. R., Tigwell, G. W., & Peiris, R. L. (2022). Improving colour patterns to assist people with colour vision deficiency. In Proceedings of the 2022 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (pp. 1–17). ACM.3Cole, B. L. (2004). The handicap of abnormal colour vision. Clinical and Experimental Optometry, 87(4–5), 258–275.
Wenn du weißt oder vermutest, dass du eine Farbsehschwäche hast, machen ein paar Gewohnheiten Spiele leichter. Keine davon setzt eine Diagnose voraus, auch wenn ein Optiker dich schnell testen kann, und der NHS bietet einen klaren Überblick über Farbsehschwächen, falls du die Hintergründe wissen willst. Simunovics Übersichtsarbeit merkt außerdem an, dass getönte Gläser, die als Hilfe bei Farbenblindheit verkauft werden, bei bestimmten Aufgaben helfen mögen, aber kein normales Farbunterscheidungsvermögen herstellen. Begegne ihnen also mit etwas Skepsis.
- Öffne vor dem Spielen das Menü für Barrierefreiheit oder Anzeige eines neuen Spiels und such nach einem Farbenblind-Modus, der Symbole hinzufügt, statt nur die Palette zu ändern.
- Schalte auf iPhone und iPad unter Einstellungen, Bedienungshilfen, Anzeige & Textgröße die Option „Ohne Farben unterscheiden“ ein. Gut gemachte Spiele berücksichtigen sie.
- Probier im selben Menü die Farbfilter, wenn ein bestimmtes Spiel keine Optionen bietet, aber rechne damit, dass sie alles auf dem Bildschirm verändern, nicht nur das Spiel.
- Präg dir bei Sortierpuzzles jedes Teil früh über sein Symbol oder seine Form ein, bevor die Felder voll werden. Die meisten Strategien für Farbsortier-Puzzles funktionieren mit Symbolen genauso gut.
- Sag den Entwicklern, was wo schiefgelaufen ist. Ein Screenshot des verwirrenden Bildschirms ist mehr wert als ein Absatz Beschreibung.
Eine Farbsehschwäche kann auch später im Leben durch Augenerkrankungen oder manche Medikamente entstehen. Wenn sich verändert, wie du Farben siehst, lohnt es sich, das einem Optiker oder einer Ärztin gegenüber zu erwähnen.
Quellen2Simunovic, M. P. (2010). Colour vision deficiency. Eye, 24(5), 747–755.
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Häufige Fragen
Ein paar nützliche Antworten
Wie häufig ist Farbenblindheit?
Eine angeborene Rot-Grün-Schwäche betrifft etwa 8 % der Männer und 0,4 % der Frauen europäischer Herkunft sowie zwischen 4 % und 6,5 % der chinesischen und japanischen Männer. Eine Blau-Gelb-Schwäche und vollständige Farbenblindheit sind viel seltener.
Sehen farbenblinde Menschen schwarz-weiß?
Fast nie. Die meisten sehen ein breites Farbspektrum, verwechseln aber bestimmte Paare, am häufigsten Rot, Grün, Braun und Orange, und finden farbcodierte Ziele langsamer.
Was ist die beste Farbenblind-Einstellung in einem Spiel?
Ein Modus, der jeder Farbe ein Symbol, eine Form oder ein Muster hinzufügt, hilft meist mehr als ein Filter, der nur die Palette verschiebt, denn er funktioniert bei jeder Art und jedem Grad von Farbsehschwäche.
Kann ich OutBrick spielen, wenn ich farbenblind bin?
Ja. Der Farbenblind-Modus ist standardmäßig an und setzt auf jeden Stein und das passende Tor ein eigenes Symbol, sodass du nach Symbol statt nach Farbton sortieren kannst. Du kannst vorher ein Feld im Browser ausprobieren.
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Literatur
Die Quellen sind in ihrer Originalsprache angegeben. Wo eine Quelle die eigene Geschichte eines Studios oder ein Pressebericht ist und keine Studie, steht das im Artikel direkt neben der Aussage.
- Birch, J. (2012). Worldwide prevalence of red-green color deficiency. Journal of the Optical Society of America A, 29(3), 313–320. doi.org/10.1364/josaa.29.000313 (öffnet in einem neuen Tab)
- Simunovic, M. P. (2010). Colour vision deficiency. Eye, 24(5), 747–755. doi.org/10.1038/eye.2009.251 (öffnet in einem neuen Tab)
- Cole, B. L. (2004). The handicap of abnormal colour vision. Clinical and Experimental Optometry, 87(4–5), 258–275. doi.org/10.1111/j.1444-0938.2004.tb05056.x (öffnet in einem neuen Tab)
- Flatla, D. R., & Gutwin, C. (2012). “So that’s what you see”: Building understanding with personalized simulations of colour vision deficiency. In Proceedings of the 14th International ACM SIGACCESS Conference on Computers and Accessibility (pp. 167–174). ACM. doi.org/10.1145/2384916.2384946 (öffnet in einem neuen Tab)
- Geddes, C., Flatla, D. R., Tigwell, G. W., & Peiris, R. L. (2022). Improving colour patterns to assist people with colour vision deficiency. In Proceedings of the 2022 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (pp. 1–17). ACM. doi.org/10.1145/3491102.3502024 (öffnet in einem neuen Tab)



