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Spielgewohnheiten

Mikropausen im Job: Hilft ein kurzes Spiel beim Auftanken?

Laut einer Metaanalyse heben Pausen bis zehn Minuten die Energie, kaum die Leistung. Wo ein kurzes Spiel passt, wo nicht, und wie Pausen besser werden.

  • 6 Min. Lesezeit
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Poppy mit ihrem Zauberstab mit Sternspitze und der rote Bricko neben einem iPhone, das ein OutBrick-Feld der Stufe Super Hard zeigt, davor schwebende Steine an einer indigoblauen Wand
Illustration aus dem Journal

Irgendwann gegen drei Uhr nachmittags fängt die Aufmerksamkeit an auszufransen. Du liest denselben Absatz zweimal, öffnest einen Tab und weißt nicht mehr, wozu. Viele greifen in diesem Moment zum Handy, und ein schnelles Spiel ist eines der Dinge, nach denen sie greifen. Ist das eine echte Pause oder nur eine andere Art, Aufmerksamkeit zu verbrauchen? Die Forschung zu Mikropausen, den kurzen Unterbrechungen zwischen Arbeitsaufgaben, liefert eine brauchbarere Antwort als „Spiele sind Zeitverschwendung“ oder „Spiele machen den Kopf frei“.

Was eine Mikropause tatsächlich bewirkt

Eine Mikropause ist eine Unterbrechung von bis zu etwa zehn Minuten während der Arbeit, keine Mittagspause und kein freier Abend. Die gründlichste Zusammenfassung der Forschung ist eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Albulescu und Kollegen aus dem Jahr 2022 in PLOS ONE. Sie werteten 22 Stichproben aus experimentellen und quasi-experimentellen Studien mit insgesamt 2.335 Personen aus.

Die Ergebnisse waren einheitlich, aber bescheiden. Mikropausen steigerten die Vitalität, also das Gefühl, Energie zu haben, und verringerten Müdigkeit, jeweils mit kleinen Effekten von etwa einer Drittel Standardabweichung. Der Effekt auf die Gesamtleistung war kleiner und statistisch nicht verlässlich. Als die Autoren die Aufgaben nach Art aufteilten, halfen Pausen der Leistung nur bei Aufgaben mit geringeren kognitiven Anforderungen. Längere Pausen halfen der Leistung tendenziell mehr, und die Autoren vermuten, dass die Erholung von sehr zehrender Arbeit mehr als zehn Minuten brauchen könnte.

Zur Einordnung dieser Effektgrößen: Ein Effekt von etwa einer Drittel Standardabweichung ist die Art Unterschied, die du an manchen Nachmittagen an dir bemerken würdest und an anderen nicht. Er ist echt, aber er verwandelt dich nicht. Die Studien waren zudem sehr unterschiedlich, von Büroangestellten bis zu Studierenden im Labor, und die meisten maßen, wie sich die Leute direkt nach der Pause fühlten, nicht am Ende des Tages.

Daraus ergibt sich eine vernünftige Erwartung an jede Pause, ob mit Spiel oder ohne. Du kommst wahrscheinlich ein bisschen besser gelaunt zurück. Dass du bei schwieriger Arbeit spürbar schärfer bist, solltest du nicht erwarten.

Quellen1Albulescu, P., Macsinga, I., Rusu, A., Sulea, C., Bodnaru, A., & Tulbure, B. T. (2022). “Give me a break!” A systematic review and meta-analysis on the efficacy of micro-breaks for increasing well-being and performance. PLOS ONE, 17(8), e0272460.

Nicht jede Art von Pause hilft

Was du in der Pause machst, scheint eine Rolle zu spielen. Kim, Park und Niu begleiteten 86 südkoreanische Büroangestellte über zehn Arbeitstage und fragten nach ihrer Arbeitsbelastung am Nachmittag, ihren Aktivitäten in Mikropausen und ihrer Stimmung am Ende des Tages. Entspannung und soziale Aktivitäten wie Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen schwächten den Zusammenhang zwischen hoher Arbeitsbelastung und schlechter Laune am Abend ab. Koffeinhaltige Getränke ebenfalls.

Überraschend war die Kategorie, die die Forschenden kognitive Aktivitäten nannten: Dinge, die man in der Pause tut und die den Kopf beschäftigt halten. An stressigen Tagen verstärkten sie den Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastung und schlechter Laune, statt ihn abzuschwächen. Spiele wurden in der Studie nicht untersucht, und ein Puzzle ist nicht dasselbe wie ein Posteingang. Eine berechtigte Warnung ist es trotzdem: Eine Pause, in der deine Aufmerksamkeit weiterarbeiten muss, fühlt sich um fünf Uhr vielleicht nicht wie eine Pause an.

Quellen2Kim, S., Park, Y., & Niu, Q. (2017). Micro-break activities at work to recover from daily work demands. Journal of Organizational Behavior, 38(1), 28–44.

Frischt ein Aufgabenwechsel die Aufmerksamkeit auf?

Eine beliebte Idee lautet, dass ein kurzer Wechsel zu etwas anderem die Aufmerksamkeit zurücksetzt. Ariga und Lleras gaben Versuchspersonen eine lange, monotone Daueraufmerksamkeitsaufgabe. Wer gelegentlich unterbrechen musste, um sich an eine Zahlenfolge zu erinnern, zeigte nicht den üblichen Leistungsabfall über die Zeit. Die Studie wird oft als Beweis zitiert, dass kurze Pausen dich konzentriert halten.

Das Problem: Eine viel größere Folgestudie fand nicht dasselbe. Helton und Russell testeten 498 Personen mit kurzen Aufgabenwechseln, inhaltsfreien Hinweisreizen und Kontrollbedingungen. Jede Gruppe zeigte denselben stetigen Abfall, und die Statistik sprach für gar keinen Effekt. Ehrlich zusammengefasst ist der Mechanismus umstritten, und ein schneller Aufgabenwechsel ist kein verlässliches Mittel gegen nachlassende Konzentration.

Quellen3Ariga, A., & Lleras, A. (2011). Brief and rare mental “breaks” keep you focused: Deactivation and reactivation of task goals preempt vigilance decrements. Cognition, 118(3), 439–443.4Helton, W. S., & Russell, P. N. (2012). Brief mental breaks and content-free cues may not keep you focused. Experimental Brain Research, 219(1), 37–46.

Wo ein kurzes Spiel passt

Der beste direkte Test eines Spiels als Pause ist eine Laborstudie von Rupp und Kollegen. Nach einer zehrenden Daueraufmerksamkeitsaufgabe machten die Teilnehmenden eine kurze passive Pause, eine angeleitete Entspannungsübung oder spielten ein Casual Game. Die Spielgruppe berichtete von stärkerer Beteiligung und einer größeren Erholung der Stimmung als die Entspannungsgruppe, während die bloße Pause die Stimmung leicht verschlechterte. Keine der Bedingungen stellte die Leistung in einem Arbeitsgedächtnistest wieder her.

Offenbar nutzen Menschen Spiele schon so. In einer Umfrage unter 833 berufstätigen Spielerinnen und Spielern von Online-Casual-Games fand Reinecke, dass die beim Spielen empfundene Erholung der stärkste Prädiktor dafür war, bei der Arbeit zu spielen, und dass müdere Beschäftigte häufiger spielten. Die Teilnehmenden hatten sich selbst entschieden, eine Umfrage über Spiele zu beantworten. Sie verrät uns also, wie manche Spieler Spiele nutzen, nicht, wie gut das funktioniert.

Zusammengenommen sagt die Forschung so viel: Ein kurzes Spiel ist eine plausible Pause für die Stimmung, kein Konzentrationstonikum. Es funktioniert am besten, wenn es kurz bleibt und sauber endet. Wenn aus zehn Minuten vierzig werden, geht die Rechnung des Nachmittags nicht mehr auf. Wir haben uns angesehen, warum sich ein Zwei-Minuten-Puzzle wie ein echter Neustart anfühlen kann und wie ein Spiel in den Arbeitsweg passt.

Quellen5Rupp, M. A., Sweetman, R., Sosa, A. E., Smither, J. A., & McConnell, D. S. (2017). Searching for affective and cognitive restoration: Examining the restorative effects of casual video game play. Human Factors, 59(7), 1096–1107.6Reinecke, L. (2009). Games at work: The recreational use of computer games during working hours. CyberPsychology & Behavior, 12(4), 461–465.

Eine bessere Mikropause, mit Spiel oder ohne

Die Forschung spricht für eine gemischte Kost statt für einen einzigen Trick. Wenn du zu einem Spiel greifst, nimm eins mit klarem Ende, damit die Pause eine Kante hat. Ein OutBrick-Spielfeld hat seine Ziele und ein Zuglimit, keine Uhr und eine Abschlusskarte, die ein natürlicher Punkt zum Aufhören ist. Du kannst auch ein Feld im Browser spielen, ohne etwas zu installieren. Sieh es als eine Möglichkeit neben denen, für die die Belege stärker sind.

Wo du die Pause machst, ist vielleicht genauso wichtig wie das, was du darin tust. Ein paar Minuten draußen oder am Fenster tun einem müden Kopf womöglich mehr gut als alles auf einem Bildschirm, aus Gründen, die wir in Aufmerksamkeitserholung und ruhige Szenen beleuchten. Und eine Mikropause ersetzt keine richtige Erholung nach der Arbeit, darum geht es in Spielen zum Abschalten nach der Arbeit.

  • Steh auf und beweg dich oder sprich mit jemandem: Entspannung und soziale Pausen hatten die klarsten Vorteile für die Stimmung.
  • Halt es kurz und leg die Länge vorher fest; ein Feld oder eine Runde, dann zurück.
  • Erwarte, dass du dich besser fühlst, nicht, dass du schneller denkst, besonders nach anspruchsvoller Arbeit.
  • Nach sehr zehrenden Aufgaben mach lieber eine längere Pause statt mehrerer winziger.
  • Wenn deine Pause nur aus noch mehr Lesen und Scrollen besteht, achte darauf, ob sie dich wirklich erholt.

Quellen1Albulescu, P., Macsinga, I., Rusu, A., Sulea, C., Bodnaru, A., & Tulbure, B. T. (2022). “Give me a break!” A systematic review and meta-analysis on the efficacy of micro-breaks for increasing well-being and performance. PLOS ONE, 17(8), e0272460.2Kim, S., Park, Y., & Niu, Q. (2017). Micro-break activities at work to recover from daily work demands. Journal of Organizational Behavior, 38(1), 28–44.

Häufige Fragen

Ein paar nützliche Antworten

Wie lang sollte eine Mikropause sein?

Mikropausen werden meist als Pausen von zehn Minuten oder weniger definiert. Eine Metaanalyse von 2022 fand, dass sie die Energie steigern und Müdigkeit verringern und dass längere Pausen der Leistung tendenziell mehr halfen. Sehr zehrende Arbeit braucht also womöglich mehr als zehn Minuten.

Ist ein Spiel in der Pause gut für die Produktivität?

Die Belege sind für die Stimmung stärker als für die Leistung. Eine Laborstudie fand, dass ein Casual Game nach einer anstrengenden Aufgabe Stimmung und Beteiligung hob, die Leistung des Arbeitsgedächtnisses aber nicht wiederherstellte.

Was macht man am besten in einer kurzen Pause?

In einer zehntägigen Studie mit Büroangestellten schützten Entspannung und soziale Pausen die Stimmung am Ende des Tages am besten, während geistig fordernde Beschäftigungen alles schlimmer machten. Bewegung, ein Plausch oder ein kurzes Spiel mit klarem Ende sind alles vernünftige Möglichkeiten.

APA 7

Literatur

Die Quellen sind in ihrer Originalsprache angegeben. Wo eine Quelle die eigene Geschichte eines Studios oder ein Pressebericht ist und keine Studie, steht das im Artikel direkt neben der Aussage.

  1. Albulescu, P., Macsinga, I., Rusu, A., Sulea, C., Bodnaru, A., & Tulbure, B. T. (2022). “Give me a break!” A systematic review and meta-analysis on the efficacy of micro-breaks for increasing well-being and performance. PLOS ONE, 17(8), e0272460. doi.org/10.1371/journal.pone.0272460 (öffnet in einem neuen Tab)
  2. Kim, S., Park, Y., & Niu, Q. (2017). Micro-break activities at work to recover from daily work demands. Journal of Organizational Behavior, 38(1), 28–44. doi.org/10.1002/job.2109 (öffnet in einem neuen Tab)
  3. Ariga, A., & Lleras, A. (2011). Brief and rare mental “breaks” keep you focused: Deactivation and reactivation of task goals preempt vigilance decrements. Cognition, 118(3), 439–443. doi.org/10.1016/j.cognition.2010.12.007 (öffnet in einem neuen Tab)
  4. Helton, W. S., & Russell, P. N. (2012). Brief mental breaks and content-free cues may not keep you focused. Experimental Brain Research, 219(1), 37–46. doi.org/10.1007/s00221-012-3065-0 (öffnet in einem neuen Tab)
  5. Rupp, M. A., Sweetman, R., Sosa, A. E., Smither, J. A., & McConnell, D. S. (2017). Searching for affective and cognitive restoration: Examining the restorative effects of casual video game play. Human Factors, 59(7), 1096–1107. doi.org/10.1177/0018720817715360 (öffnet in einem neuen Tab)
  6. Reinecke, L. (2009). Games at work: The recreational use of computer games during working hours. CyberPsychology & Behavior, 12(4), 461–465. doi.org/10.1089/cpb.2009.0010 (öffnet in einem neuen Tab)

Geschrieben von

OutBrick Editorial Desk

Die OutBrick-Redaktion macht aus Spielerforschung, Barrierefreiheit in der Praxis und Erfahrungen aus der Spieleentwicklung nützliche, gut lesbare Notizen.

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