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Spielgewohnheiten

Aufmerksamkeitserholung: Warum ruhige Szenen guttun

Laut Attention Restoration Theory erholt Natur einen müden Kopf. Was belegt ist, warum Bilder keine Parks sind und was ein ruhiges Spiel lernen kann.

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  • Veröffentlicht am
Flurry und Sprout links und rechts neben einem iPhone, das den OutBrick-Startbildschirm unter einem Nachthimmel zeigt, vor einer indigoblauen Steinwand
Illustration aus dem Journal

Nach einer langen Phase konzentrierter Arbeit kann sich ein Spaziergang im Park anfühlen, als nähme dir jemand eine schwere Tasche von der Schulter. Eine volle Straße im Berufsverkehr tut das nicht. Umweltpsychologen versuchen seit Jahrzehnten, diesen Unterschied zu erklären, und die bekannteste Erklärung, die Attention Restoration Theory (Theorie der Aufmerksamkeitserholung), hat alles geprägt, von Krankenhausgärten bis zur Bürogestaltung. Sie wird allerdings auch oft weit über ihre Belege hinaus gedehnt, unter anderem von Leuten, die ruhig aussehende Apps und Spiele machen. Hier steht, was sie sagt, was die Studien stützen und was sie für einen Bildschirm bedeutet und was nicht.

Zwei Arten von Aufmerksamkeit

Stephen Kaplans Artikel von 1995 legte den Rahmen fest. Er unterscheidet gerichtete Aufmerksamkeit, die anstrengende Art, mit der du einen dichten Bericht weiterliest, während nebenan jemand redet, von unwillkürlicher Aufmerksamkeit, die mühelos von Dingen eingefangen wird, die einfach interessant sind. Gerichtete Aufmerksamkeit beruht darauf, Ablenkungen aktiv zu unterdrücken, und Kaplan argumentierte, dass sie bei starker Beanspruchung ermüdet. Die Folge: Menschen werden gereizter, machen mehr Fehler und können schlechter planen.

Erholung braucht nach dieser Sicht eine Umgebung, in der die gerichtete Aufmerksamkeit ruhen kann. Kaplan beschrieb vier Eigenschaften einer erholsamen Umgebung. Sie gibt dir das Gefühl, weg von den üblichen Anforderungen zu sein. Sie hat Weite, das Gefühl einer stimmigen Welt, die reich genug ist, um sie zu erkunden. Sie bietet Faszination, vor allem die sanfte Art: Wolken, sich bewegende Blätter oder Wasser, die die Aufmerksamkeit behutsam halten und Raum zum Nachdenken lassen. Und sie passt zu dem, was du dort tun willst. Natürliche Umgebungen haben meist alle vier, weshalb sich die Theorie auf die Natur konzentriert hat.

Sanfte Faszination ist die eigenständigste Idee des Rahmens und die am leichtesten wiederzuerkennende. Wer in ein Feuer, auf Wellen am Ufer oder auf Blätter im Wind schaut, dessen Aufmerksamkeit wird gehalten, ohne dass etwas verlangt wird. Die Gedanken dürfen wandern und zur Ruhe kommen. Harte Faszination, etwa ein schnelles Sportspiel oder ein hektisches Videospiel, fängt die Aufmerksamkeit ebenfalls mühelos ein, füllt sie aber komplett aus und lässt wenig Raum zum Nachdenken. Nach Kaplan entlasten beide die gerichtete Aufmerksamkeit, aber nur die sanfte Art lässt Platz zum Denken.

Quellen1Kaplan, S. (1995). The restorative benefits of nature: Toward an integrative framework. Journal of Environmental Psychology, 15(3), 169–182.

Was die Belege zeigen

Die Theorie machte überprüfbare Vorhersagen, und frühe Experimente sahen vielversprechend aus. In zwei Studien fanden Berman, Jonides und Kaplan, dass ein Spaziergang im Park oder sogar das Betrachten von Naturbildern die Leistung in Tests gerichteter Aufmerksamkeit verbesserte, darunter das Rückwärtswiederholen einer Zahlenreihe, verglichen mit einem Spaziergang in der Stadt oder dem Betrachten städtischer Szenen.

Systematische Übersichtsarbeiten haben das Bild seitdem gedämpft. Ohly und Kollegen fassten 31 Studien zusammen und fanden Unterstützung für drei Maße, zwei Versionen des Zahlenspannen-Tests und einen Trail-Making-Test, aber keinen deutlichen Vorteil in den zehn anderen Analysen, die sie durchführten. Die Studien waren meist klein und maßen Aufmerksamkeit auf sehr unterschiedliche Weise.

Eine aktualisierte Übersicht von Stevenson, Schilhab und Bentsen betrachtete 42 neuere Artikel und versuchte festzumachen, welche geistigen Prozesse ansprechen. Arbeitsgedächtnis und kognitive Flexibilität verbesserten sich nach Kontakt mit Natur, die Aufmerksamkeitskontrolle weniger verlässlich, bei geringen bis mittleren Effektgrößen. Das sind echte Belege für einen bescheidenen Effekt auf manche Fähigkeiten, keine allgemeine Frischzellenkur fürs Gehirn.

Ein Teil der Unsicherheit betrifft die Theorie selbst. Gerichtete Aufmerksamkeit ist schwer genau zu definieren, verschiedene Studien maßen sie mit verschiedenen Aufgaben, und es ist nicht immer klar, ob die Teilnehmenden müde genug waren, damit sich Erholung zeigen konnte. Beide Übersichtsarbeiten fordern größere, besser geplante Studien. Nichts davon heißt, dass Natur nichts für uns tut; Menschen berichten durchweg, dass sie sich draußen besser fühlen. Es heißt, dass die konkrete Behauptung über die Erholung der Aufmerksamkeit weniger gesichert ist, als populäre Darstellungen nahelegen.

Quellen2Berman, M. G., Jonides, J., & Kaplan, S. (2008). The cognitive benefits of interacting with nature. Psychological Science, 19(12), 1207–1212.3Ohly, H., White, M. P., Wheeler, B. W., Bethel, A., Ukoumunne, O. C., Nikolaou, V., & Garside, R. (2016). Attention Restoration Theory: A systematic review of the attention restoration potential of exposure to natural environments. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B, 19(7), 305–343.4Stevenson, M. P., Schilhab, T., & Bentsen, P. (2018). Attention Restoration Theory II: A systematic review to clarify attention processes affected by exposure to natural environments. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B, 21(4), 227–268.

Bilder sind keine Parks

Ein verlockender Schluss wäre: Wenn ein Foto von einem Wald helfen kann, sollte ein Bildschirm voller Grün es auch tun. Die Belege sagen etwas anderes. Stevenson und Kollegen fanden, dass echter Kontakt mit Natur eine stärkere erholsame Wirkung haben könnte als virtueller, wobei der echte Kontakt auch meist länger dauerte. Browning und Kollegen fassten dann sechs Experimente zusammen, die echte natürliche Umgebungen mit simulierten Versionen derselben Orte verglichen, mit demselben Stimmungsfragebogen vorher und nachher. Die positive Stimmung stieg in den echten Umgebungen, aber nicht in den Simulationen. Beide Arten von Umgebung verringerten tendenziell die negative Stimmung.

Simulierte Natur kann also beruhigen, lässt aber offenbar etwas weg, das die echte aufbauend macht. Das ist wichtig für alle, die versucht sind, einen Bildschirm mit Naturmotiv als Ersatz dafür zu sehen, nach draußen zu gehen.

Quellen4Stevenson, M. P., Schilhab, T., & Bentsen, P. (2018). Attention Restoration Theory II: A systematic review to clarify attention processes affected by exposure to natural environments. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B, 21(4), 227–268.5Browning, M. H. E. M., Shipley, N., McAnirlin, O., Becker, D., Yu, C.-P., Hartig, T., & Dzhambov, A. M. (2020). An actual natural setting improves mood better than its virtual counterpart: A meta-analysis of experimental data. Frontiers in Psychology, 11, 2200.

Was ein ruhiges Spiel ehrlich übernehmen kann

Die Reise in OutBrick führt durch 167 aus Steinen gebaute Dörfer, darunter Lavender Hills, Bamboo Springs und Firefly Wetlands. Uns ist wichtig, wie sie aussehen, und wir hoffen, dass man sie gern durchquert. Natur sind sie nicht, und nichts in der Forschung oben sagt uns, dass ihr Anblick die Aufmerksamkeit erholt. Das Puzzle selbst ist das Gegenteil sanfter Faszination: Ein Feld zu lösen ist gerichtete Aufmerksamkeit, und zwar mit Absicht.

Was ein Spiel von Kaplans Rahmen übernehmen kann, ist das Fehlen von allem, was Aufmerksamkeit aufzehrt. Kein Countdown, keine blinkenden Belohnungen, keine Stimme, die eine Reaktion verlangt, nichts, was das Feld unterbricht. OutBrick respektiert die Systemeinstellung „Bewegung reduzieren“, und seine neun Steinfreunde sprechen nur in Textblasen. Das macht es zu einer ruhigeren Art von Anstrengung, nicht zu einer erholsamen. Den Unterschied erklären wir ausführlicher in was ein Puzzlespiel entspannend macht, und die Dörfer kannst du dir auf der Reise ansehen.

Der ehrliche Anspruch eines kurzen, ruhigen Spiels ist der, den an anderer Stelle unser Journal belegt: Nach anstrengender Arbeit kann es die Stimmung heben, wie wir in Mikropausen im Job beschrieben haben. Wenn du erholte Aufmerksamkeit willst, zeigen die Belege nach draußen.

Quellen1Kaplan, S. (1995). The restorative benefits of nature: Toward an integrative framework. Journal of Environmental Psychology, 15(3), 169–182.5Browning, M. H. E. M., Shipley, N., McAnirlin, O., Becker, D., Yu, C.-P., Hartig, T., & Dzhambov, A. M. (2020). An actual natural setting improves mood better than its virtual counterpart: A meta-analysis of experimental data. Frontiers in Psychology, 11, 2200.

Eine praktische Reihenfolge

Wenn deine Aufmerksamkeit ausgefranst ist und du ein paar Minuten hast, legt die Forschung ungefähr diese Reihenfolge nahe. Nichts davon muss dramatisch sein; ein kurzer Spaziergang zählt. Und wenn du einfach einen kleinen, befriedigenden Gangwechsel willst, ist das auch ein guter Grund zu spielen, wie wir in warum sich ein Zwei-Minuten-Puzzle wie ein echter Neustart anfühlen kann erklären.

  • Ein Spaziergang irgendwo im Grünen, und sei es ein kleiner Park oder eine Straße mit Bäumen.
  • Ein paar Minuten aus dem Fenster schauen, auf Himmel, Bäume oder Wasser.
  • Bilder oder Videos von Natur, die dich beruhigen können, auch wenn sie die Stimmung weniger heben als die echte.
  • Ein kurzes, ruhiges Spiel oder eine andere fesselnde Beschäftigung, für bessere Stimmung statt erholter Aufmerksamkeit.
  • Was du nach Möglichkeit meiden solltest: Umgebungen, die ständige Wachsamkeit verlangen, etwa dichter Verkehr oder ein Strom von Benachrichtigungen.

Quellen2Berman, M. G., Jonides, J., & Kaplan, S. (2008). The cognitive benefits of interacting with nature. Psychological Science, 19(12), 1207–1212.4Stevenson, M. P., Schilhab, T., & Bentsen, P. (2018). Attention Restoration Theory II: A systematic review to clarify attention processes affected by exposure to natural environments. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B, 21(4), 227–268.5Browning, M. H. E. M., Shipley, N., McAnirlin, O., Becker, D., Yu, C.-P., Hartig, T., & Dzhambov, A. M. (2020). An actual natural setting improves mood better than its virtual counterpart: A meta-analysis of experimental data. Frontiers in Psychology, 11, 2200.

Häufige Fragen

Ein paar nützliche Antworten

Was ist die Attention Restoration Theory?

Die Attention Restoration Theory (Theorie der Aufmerksamkeitserholung), entwickelt von Rachel und Stephen Kaplan, besagt, dass anstrengende Aufmerksamkeit durch Gebrauch ermüdet und sich in Umgebungen erholt, die die Aufmerksamkeit sanft fesseln, etwa in der Natur. Solche Umgebungen bieten das Gefühl, weg zu sein, Weite, sanfte Faszination und passen zu dem, was du tun willst.

Verbessert der Blick auf Naturbilder die Konzentration?

Manche Experimente fanden, dass das Betrachten von Naturbildern die Leistung in Aufmerksamkeitstests verbesserte, doch Übersichtsarbeiten zeigen, dass die Effekte bescheiden und uneinheitlich sind. Echte natürliche Umgebungen scheinen besser zu wirken als simulierte, zumindest für die Stimmung.

Kann ein Videospiel die Aufmerksamkeit erholen?

Es gibt keine guten Belege, dass ein Spiel die Aufmerksamkeit im Sinne der Theorie erholt, denn Puzzles zu lösen beansprucht gerichtete Aufmerksamkeit. Kurze Casual Games verbesserten in Studien die Stimmung nach anstrengender Arbeit, ein kleinerer, aber echter Vorteil.

Ist virtuelle Natur so gut wie echte?

Für die Stimmung nicht. Eine Metaanalyse von sechs Experimenten fand, dass die positive Stimmung in echten natürlichen Umgebungen stieg, in simulierten Versionen davon aber nicht, obwohl beide die negative Stimmung tendenziell verringerten.

APA 7

Literatur

Die Quellen sind in ihrer Originalsprache angegeben. Wo eine Quelle die eigene Geschichte eines Studios oder ein Pressebericht ist und keine Studie, steht das im Artikel direkt neben der Aussage.

  1. Kaplan, S. (1995). The restorative benefits of nature: Toward an integrative framework. Journal of Environmental Psychology, 15(3), 169–182. doi.org/10.1016/0272-4944(95)90001-2 (öffnet in einem neuen Tab)
  2. Berman, M. G., Jonides, J., & Kaplan, S. (2008). The cognitive benefits of interacting with nature. Psychological Science, 19(12), 1207–1212. doi.org/10.1111/j.1467-9280.2008.02225.x (öffnet in einem neuen Tab)
  3. Ohly, H., White, M. P., Wheeler, B. W., Bethel, A., Ukoumunne, O. C., Nikolaou, V., & Garside, R. (2016). Attention Restoration Theory: A systematic review of the attention restoration potential of exposure to natural environments. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B, 19(7), 305–343. doi.org/10.1080/10937404.2016.1196155 (öffnet in einem neuen Tab)
  4. Stevenson, M. P., Schilhab, T., & Bentsen, P. (2018). Attention Restoration Theory II: A systematic review to clarify attention processes affected by exposure to natural environments. Journal of Toxicology and Environmental Health, Part B, 21(4), 227–268. doi.org/10.1080/10937404.2018.1505571 (öffnet in einem neuen Tab)
  5. Browning, M. H. E. M., Shipley, N., McAnirlin, O., Becker, D., Yu, C.-P., Hartig, T., & Dzhambov, A. M. (2020). An actual natural setting improves mood better than its virtual counterpart: A meta-analysis of experimental data. Frontiers in Psychology, 11, 2200. doi.org/10.3389/fpsyg.2020.02200 (öffnet in einem neuen Tab)

Geschrieben von

OutBrick Editorial Desk

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